Samstag, 4. Juni 2011

Ganz ehrlich? Wir haben uns nicht getraut.

Heute war Abreise angesagt aus unserem Hotel mit dem tollen Frühstück. Schade, wenn man mal an einem Fleck 4 Übernachtungen hintereinander hatte, fühlt man sich schon fast heimisch. Ist schon ein Zigeunerleben, sich jeden Tag aus dem Koffer zu bedienen.
So wurde es auch später Vormittag, bis wir endlich zu Potte kamen und die Koffer gepackt bereit standen. Attila wollte nun noch das CableCar Museum anschauen und so machten wir uns auf den Weg dahin. Nach 10-maligem um-den-Block-fahren war endlich ein Parkplatz frei. Wir standen da, schauten uns alle Schilder in der näheren Umgebung an. Eigentlich müsste es passen. Die zeitliche Einschränkung passte nicht, keine rote Linie, keine gelbe, keine blaue, keine weiße, kein Anwohnerschild, kein Abschleppzeichen, nichts. Sollte das im Ernst ein richtiger Parkplatz sein? So richtig zum legal parken? Wir trauten dem Frieden nicht. Nein, gebrannte Kinder, die wir waren, scheuen das Feuer. Und Feuer bedeutet abgeschleppt werden und viel viel Geld bezahlen zu müssen. Wir entschlossen uns kurzerhand, die Sache bleiben zu lassen, stattdessen gleich zum Amt zu fahren, unser 75 $ Ticket von der Abschleppaktion zu bezahlen und dann weiter zu fahren. Wir hätten es auch online zahlen können, aber ich wollte sicher gehen, daß alles in Ordnung ist. Deshalb die persönliche Vorsprache.
Vor dem SFMTA gab es natürlich keine Parkplatz. Ich stieg aus und Attila fuhr so lang Kreise im Großstadtdschungel. Ich glaub, Freitag haben alle Ausgang in SF. Der Verkehr und die Menschenmassen auf den Strassen waren enorm. In der Behörde angekommen, musste ich mich erstmal anstellen, um eine Nummer zu bekommen. Der nette Herr machte mich auf die Möglichkeit aufmerksam, mich an einen Hearing-Inspektor wenden zu können. Näheres würde mir aber der Mitarbeiter am Schalter sagen können. Das Ganze glich einer Art Landratsamt bei uns, untere Verkehrsbehörde trifft es wohl besser. Viele waren da, um Parkzonen zu bezahlen, Strafzettel, Behindertenparkplatzgenehmigungen etc. Hilfe, war hier viel los. Und hier begriff man auch den Begriff "Melting Pott" ganz gut. An jedem der 14 Schalter standen Menschen mit ihren Anliegen, die in mehr oder minder gutem Englisch dem Beamten dahinter ihr Problem oder ihren Wunsch schilderten. Hut ab vor der Geduld der Mitarbeiter. Vom nuschelnden Ami über die fast flüsternde Chinesin bis hin zum mexikanisch aussehenden Mitbürger, der irgend ein Problem mit seiner Genehmigung hatte, war alles vorhanden und babbelte wild durcheinander.
Ich war nach 10 Minuten schon dran und die Dame hinter dem Schalter schrieb groß auf die Kopie des Strafzettels "Tourist from Germany". Dutsch, nun hatte ich einen Stempel auf der Stirn. Blöder Touri aus Germany, der zu dämlich ist, die Schilder richtig zu lesen. Stimmt ja auch, wir waren zu blöd und zu unbedarft. Ich musste nun auf die Anhörung beim Hearing Inspector warten. In der Zwischenzeit war Attila wohl bestimmt 20 Runden gefahren und hatte nun einen Parkplatz direkt vor dem Laden. Er dachte schon, die hätten mich gefressen da drin, immerhin war ich schon seit 1 Stunde überfällig.
Vor dem Zimmer des Inspectors klärte mich ein verwahrlost wirkender Typ darüber auf, daß der Herr hinter der Tür ein "big asshole" sei, ich solle mich bloß in Acht nehmen. Na das waren ja Aussichten.

Drinnen war es dann aber ganz nett. Ich glaube, in der Stunde, in der ich beim Inspector saß, habe ich seine halbe Lebensgeschichte erzählt bekommen. Er war sehr verständnisvoll, stornierte ohne große Diskussion die75 $, fragte mich über die Spritpreise in Deutschland aus. Er erzählte von seinem Mercedes, der das beste Auto gewesen sei, den er je gehabt habe. Daß er Serbo-Kroate sei und als Kind mit seinen Eltern hier eingereist wäre, usw, usw. Er lobte mein Englisch und meine deutliche Aussprache. Das sei eine Wohltat zu hören. Hihi, und ich finde, daß ich sehr schlecht spreche. Mir fehlen zu viele Vokabeln und ich muss vieles umständlich umschreiben. Aber bitte, wenn er meint.
Er war jedenfalls sehr nett und versuchte noch einiges in die Wege zu leiten, um die Abschleppgebühren eventuell wieder zu bekommen. Aber wir müssen das von Deutschland aus machen. Ich probiere es mal über den ADAC, vielleicht geht das noch was. Auf alle Fälle hatten wir schonmal die 75 $ des Tickets vom Hals.

Nun ging es endlich raus aus SF und dem Großstadtdschungel und wir begaben uns in den Naturdschungel, die Muir Woods waren schließlich schnell erreichbar. Eine verwunsche Ecke mit Mammutbäumen erwartete uns und wir genossen die Stille und Ruhe im Wald. Schnecken, Krebse und Vögel boten uns viel Anschauungsmaterial und die Bäume beeindruckten uns sehr. Den Spruch: ein Mann wie ein Baum sollte man hier nochmal überdenken. Er ist nicht sehr aussagekräftig!


Der Weg am Abend führte in ein Steak & Seafood-House, was sich wieder als 100 Punkte-Treffer herausstellte. Attila hatte einen gemischten Seafood-Teller, den er nicht einmal ganz aufessen konnte. So viel Fisch, Calamaris, Muscheln und Shrimps konnte kein Mensch schaffen. Ich hatte homemade Ravioli und Spaghetti in einer leckeren Tomatensoße mit Meatballs. Ebenfalls sehr lecker. Fine begnügte sich mit einer Clam Chowder, die ebenfalls super war. Wir haben hier die amerikanischen Suppen entdeckt, da ist eine besser als die andere. Wirklich, man wird hier zum Suppenkaspar.
Am Nachbartisch saßen 6 Amis, de Steak bestellt hatten. Ohne Worte, kann ich nur sagen. Das Prime Rip Steak war gut und gerne 6 cm hoch und bedeckte den ganzen Teller. Wow, wenn er doch nur Hunger hätte...

Unser Hotel war leider kein 100 Punkte Treffer. Die Betten hatten schon bessere Zeiten gesehen, man spürte die Federn durch. Aber egal, wir waren müde und wir konnten schlafen.
Am Morgen jedoch gab es ein böses Erwachen...

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